Naturschonendes Angeln

24.11.2015 19:50

Im Bereich des Nationalparks sollte der Schwerpunkt des Angelsports in einer naturorientierten und naturschonenden Form der Ausübung erfolgen. Dies gilt selbstverständlich auch außerhalb des Nationalparks, aufgrund seiner naturschutzfachlichen Bedeutung nimmt der Nationalpark hier jedoch eine besondere Stellung ein. Mit naturschonendem Angeln ist die Ausübung in einer besonders ruhigen, rücksichtsvollen und voraus denkenden Form hinsichtlich der Natur gemeint.

Grundsätzlich sind fischereirechtlich oft bereits Verbote ausgesprochen, die in dieser Hinsicht greifen. Im Nationalpark ist verboten:

  • die Zerstörung von Pflanzen
  • das Aussetzen von Tieren und Einbringen von Pflanzen
  • wildlebenden Tieren nachzustellen, zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten.
  • wild lebende Tiere zu füttern
  • und weitere

Darüber hinaus sollten ausdrücklich Verhaltensregeln für den Nationalpark ausgesprochen werden, die ein naturorientiertes Angeln fördern. In der Regel verhält sich der Angler auch aus eigenem Interesse bereits naturorientiert. Er trägt gedeckt farbene Kleidung, ist ruhig und nimmt Rücksicht auf die Umwelt. Vorbildlich ist beispielsweise die Anreise mit dem Fahrrad, siehe Abb. 19.

Wichtig ist jedoch, dass auch diejenigen Angler angesprochen werden, die sonst ohne Rücksicht auf die Vogelwelt in grell farbener Kleidung fischen, achtlos Müll zurücklassen, den Angelsport in Gemeinschaft betreiben oder auch beispielsweise bei der Anreise mit dem Fahrzeug so nah wie möglich versuchen an der Nationalparkgrenze zu parken, siehe Abb. 20. Auf das Angeln in Gemeinschaft fällt eine besondere Gewichtung. Denn problematisch ist die Situation dann, wenn viele Angler gleichzeitig im Gebiet sind. Selbst wenn die unmittelbare Umgebung der Brutund Nahrungsplätze gemieden wird, sind durch häufigeres Passieren von Bruthabitaten nachhaltige Störungen möglich. Angeln in Kleingruppen verursacht zusätzliche Störreize und so muss dem Angler durch den Nationalpark vermittelt werden, dass das Angeln in Gruppen im Nationalpark zu unterlassen ist. Neben dem Angeln in Kleingruppen ist Abstand zu nehmen von Angelveranstaltungen, wie dem Anangeln, Abangeln und Matschangeln. Grundsätzlich sind zwar Angelveranstaltungen in der Verordnung zur Regelung der Fischerei im Nationalpark „Unteres Odertal“ 2007 (NatPuoFischV) nicht ohne Genehmigung erlaubt, jedoch somit auch nicht strikt Verboten. Ein Verbot bzw. ein Erzwingen der erwähnten naturorientierten Verhaltensweisen ist sicherlich nicht durchzusetzen. Dem Angler sollten jedoch gewisse Verhaltenskodices auf geeignete und verständliche Art und Weise übermittelt werden. Neben den grundsätzlichen Verboten und Regelungen sind folgende Verhaltenskodices empfehlenswert.

Maßnahme - Naturschonendes Angeln Verhaltenskodices festlegen: »» Vermeidung von Abfall in der Natur »» Nutzung von vorgegebenen Wegen »» Ruhiges und rücksichtsvolles Verhalten »» Tragen gedeckt farbener Bekleidung »» Vermeidung des Angelns in GruppenVermeidung organisierter Angelveranstaltungen

Diese Verhaltenskodices und die gesetzlich ausgesprochenen Verbote stehen für ein naturorientiertes und naturschonendes Angeln und bilden die Grundlage für den Schutz der besonders betroffenen Vogelarten im Nationalpark Unteres Odertal. Weitergehende Maßnahmen zu Angelverbotszonen werden nachfogend dargestellt.

Text: "Konflikte zwischen Naturschutz und Angelsport im Nationalpark Unteres Odertal am Beispiel betroffener Vogelarten" - Camilo Rodorff - Juli 2009 Technische Universität Berlin